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Steigende EU-Quote für synthetische Flugkraftstoffe: NRW sichert Bau der Synhelion-Anlage in Jülich mit Mitteln aus Landesprogramm

© Synhelion© Synhelion

Zürich – Die Europäische Union verpflichtet Anbieter von Flugkraftstoff zu einer schrittweise steigenden Beimischung nachhaltiger und synthetischer Kraftstoffe. Parallel dazu unterstützt Nordrhein-Westfalen den Bau einer kommerziellen Demonstrationsanlage des Schweizer Unternehmens Synhelion in Jülich.

Die EU-Verordnung ReFuelEU Aviation schreibt seit 2025 eine Mindestbeimischung von zwei Prozent nachhaltiger Flugkraftstoffe vor; bis 2050 soll der Anteil auf 70 Prozent steigen. Ab 2030 gilt zusätzlich eine gesonderte Quote für synthetische E-Fuels, die bis 2050 auf 35 Prozent steigt. Die Vorgaben gelten EU-weit für Anbieter von Flugkraftstoff an größeren Flughäfen.

Synhelion baut zweite Anlage in Jülich: DAWN Extension folgt auf Pilotanlage DAWN
Der Schweizer Solartreibstoff-Entwickler Synhelion hat für die geplante kommerzielle Demonstrationsanlage im Brainergy Park Jülich eine Zusage aus dem Landesprogramm „Produktives.NRW" erhalten. Das Vorhaben trägt bei der zuständigen Landesbehörde den Namen „DAWN Extension" und ist eines von neun in der vierten Ausschreibungsrunde ausgewählten Industrieprojekten im Rheinischen Revier und im nördlichen Ruhrgebiet, für die insgesamt rund 90 Millionen Euro aus dem EU-Just-Transition-Fund bereitstehen. „Die Auswahl im Rahmen des Förderprogramms Produktives.NRW bestätigt die Relevanz unserer Technologie und unserer Kommerzialisierungsstrategie", erklärt Co-CEO und Mitgründer Philipp Furler.

Die neue Anlage baut auf der ersten Anlage DAWN auf, die Synhelion 2024 am selben Standort errichtet hat. Mit diesem System hat Synhelion seine Technologie nach eigenen Angaben im industriellen Maßstab validiert und das technologische Risiko reduziert. Die größere Folgeanlage soll nun die kommerzielle Betriebsfähigkeit herstellen und das Verfahren bankfähig machen. Der Großteil der künftigen Produktion ist laut Synhelion bereits durch verbindliche, langfristige Abnahmeverträge mit namhaften Kunden gesichert. Mit dem Bau der Anlage stärke das Unternehmen Deutschland als Industriestandort für erneuerbare synthetische Treibstoffe, so Furler weiter.

Solarthermischer Prozess ersetzt fossiles Kerosin, Diesel und Benzin Synhelion stellt synthetische Kraftstoffe her, die fossilen Diesel, Benzin und Flugkraftstoff ohne Anpassungen an Motoren oder Tankinfrastruktur ersetzen sollen. Das Portfolio umfasst nachhaltigen Flugkraftstoff (SAF) sowie synthetischen Diesel und Benzin. Synhelion betont, dass die Kraftstoffe die Netto-CO2-Emissionen gegenüber fossilen Varianten um bis zu 100 Prozent reduzierten. Adressiert werde vor allem die Luftfahrt, die zu den Bereichen zähle, die sich nur schwer elektrifizieren lassen, so Synhelion. Für sie schreibt ReFuelEU Aviation ab 2030 zusätzlich eine gesonderte E-Fuel-Quote vor.

Was synthetische Kraftstoffe von Biokraftstoffen unterscheidet
Die EU unterscheidet bei nachhaltigen Flugkraftstoffen zwischen drei Kategorien: Biokraftstoffe, synthetische Kraftstoffe und wiederverwertete kohlenstoffhaltige Kraftstoffe. Ein verbreiteter Weg zu synthetischen Kraftstoffen ist das Power-to-Liquid-Verfahren (PtL): Erneuerbarer Strom spaltet per Elektrolyse Wasser in Wasserstoff, der anschließend mit Kohlenstoffdioxid zu flüssigen Kohlenwasserstoffen synthetisiert wird. Synhelion nutzt für sein solarthermochemisches Verfahren stattdessen konzentrierte Solarstrahlung als Prozessenergie. Beide Kraftstoffarten sind mit bestehenden Motoren und der vorhandenen Tankinfrastruktur kompatibel, liegen nach einer Einschätzung der Lufthansa Group aber noch deutlich über dem Preisniveau fossiler Kraftstoffe: Biogene SAF kosteten demnach derzeit etwa drei- bis fünfmal so viel wie fossiles Kerosin, strombasierte PtL-Kraftstoffe – die bislang noch nicht industriell produziert werden – bis zu zehnmal so viel.

Produktives.NRW: 90 Millionen Euro für neun Zukunftstechnologie-Projekte im Rheinischen Revier
Zuständig für die Umsetzung des Programms „Produktives.NRW" ist das nordrhein-westfälische Ministerium für Wirtschaft, Industrie, Klimaschutz und Energie gemeinsam mit dem Umweltministerium des Landes. „Die ausgewählten Projekte zeigen, was NRW zu bieten hat, um Europa unabhängiger, resilienter und wettbewerbsfähiger zu machen", erklärte Wirtschafts- und Klimaschutzministerin Mona Neubaur zur aktuellen Ausschreibungsrunde. Das Programm ist Teil des EFRE/JTF-Programms NRW 2021-2027, für das Land und EU insgesamt rund 1,9 Milliarden Euro bereitstellen. Das Programm Produktives.NRW setzt dabei auf der Angebotsseite an, während die EU mit der ReFuelEU-Aviation-Verordnung eine Beimischungspflicht auf der Nachfrageseite vorschreibt.


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30.07.2026

 



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