EU startet Milliarden-Ausschreibung für KI-Gigafabriken – Schnelle Stromversorgung wird zum Wettbewerbsfaktor
Mit dem Aufbau der Gigafabriken verfolgt die EU das Ziel, ihre technologische Souveränität auszubauen und eigene KI-Kapazitäten aufzubauen. Gleichzeitig rückt eine neue Herausforderung in den Vordergrund, die sich bereits in den USA abzeichnet: Während die Halbleiterindustrie ihre Produktionskapazitäten für Hochleistungs-KI-Chips weltweit massiv ausbaut, entwickelt sich die schnelle Bereitstellung großer Strommengen zunehmend zum entscheidenden Standortfaktor für den Betrieb moderner KI-Rechenzentren.
Milliardenprogramm für Europas KI-Infrastruktur
Mit bis zu zehn Milliarden Euro an EU- und nationalen Fördermitteln sollen mindestens 20 Milliarden Euro private Investitionen mobilisiert werden. Die Ausschreibung richtet sich an industrielle Konsortien oder eigens gegründete Projektgesellschaften (Special Purpose Vehicles). Standorte können sowohl in einem einzelnen Mitgliedstaat als auch grenzüberschreitend realisiert werden.
Die AI Gigafactories sollen Start-ups, Industrie, Forschungseinrichtungen und öffentlichen Einrichtungen Hochleistungsrechenkapazitäten für das Training, die Weiterentwicklung und den Betrieb modernster KI-Modelle bereitstellen. Je nach Förderkategorie müssen die Projekte mindestens die Rechenleistung der derzeit leistungsstärksten europäischen AI Factory erreichen und diese in einer zweiten Ausbaustufe auf das Drei- beziehungsweise Vierfache steigern.
Dem Ausschreibungsstart ging ein Interessenaufruf voraus, auf den 76 Projektvorschläge für 60 Standorte in 16 Mitgliedstaaten mit einem Investitionsvolumen von mehr als 230 Milliarden Euro eingingen. Die Bewerbungsfrist endet am 12. November 2026. Die Auswahl der Projekte soll Anfang 2027 erfolgen, der Bau noch im selben Jahr beginnen. Spätestens 18 Monate nach Vertragsunterzeichnung sollen die ersten AI Gigafactories den Betrieb aufnehmen.
KI-Boom verändert die Anforderungen an die Stromversorgung
Mit dem Ausbau großer KI-Rechenzentren rückt die Energieversorgung zunehmend in den Mittelpunkt der Standortentscheidung. Im internationalen Wettbewerb entscheidet nicht allein die installierte Kraftwerksleistung, sondern die Fähigkeit eines Stromversorgungssystems, große zusätzliche Strommengen innerhalb kurzer Zeit bereitzustellen. Neben der Stromerzeugung werden deshalb Netzinfrastruktur, Netzanschlüsse, Speicher und dezentrale Versorgungslösungen zu entscheidenden Wettbewerbsfaktoren.
Erfahrungen aus den USA zeigen, dass der Zeitfaktor die Wahl der Energieversorgung maßgeblich beeinflusst. Neue Kernkraftwerke können zwar langfristig große Mengen CO2-armen Strom liefern, ihre Planungs- und Bauzeiten liegen jedoch häufig bei zehn bis fünfzehn Jahren. Auch Small Modular Reactors (SMR) stehen bislang noch nicht im kommerziellen Maßstab zur Verfügung. Kurzfristig kommen deshalb vielfach moderne Gaskraftwerke zum Einsatz, deren Ausbau wiederum durch begrenzte Produktionskapazitäten – insbesondere bei Gasturbinen und Turbinenschaufeln – gebremst wird.
Parallel gewinnen dezentrale Versorgungslösungen an Bedeutung. So hat Bloom Energy gemeinsam mit Oracle die Stromversorgung eines KI-Rechenzentrums innerhalb weniger Monate mit stationären Brennstoffzellensystemen aufgebaut. Solche „Behind-the-Meter"-Lösungen ermöglichen es, große Rechenzentren unabhängig von langwierigen Netzanschlüssen direkt am Standort mit Strom zu versorgen. Mit den nun ausgeschriebenen AI Gigafactories steht Europa vor derselben Herausforderung: Der Aufbau der Rechenzentren dürfte vor allem dort zügig gelingen, wo auch die Energieinfrastruktur mit dem stark wachsenden Leistungsbedarf Schritt halten kann.
Der KI-Wettbewerb wird zum Wettbewerb der Stromversorgungssysteme
Der Ausbau der AI Gigafactories verdeutlicht einen strukturellen Wandel im internationalen KI-Wettbewerb. Während die Halbleiterindustrie weltweit Milliarden in zusätzliche Produktionskapazitäten für Hochleistungs-KI-Prozessoren investiert und sich die Chipversorgung schrittweise entspannt, entwickelt sich die Energieinfrastruktur zum neuen limitierenden Faktor für den Ausbau großer KI-Rechenzentren. Leistungsfähige Prozessoren allein schaffen noch keine KI-Rechenzentren – sie benötigen innerhalb kürzester Zeit eine gesicherte Stromversorgung.
Entscheidend wird damit zunehmend, welche Länder und Regionen neue KI-Rechenzentren am schnellsten mit Strom versorgen können. Der Wettbewerb um Künstliche Intelligenz wird damit zugleich zu einem Wettbewerb leistungsfähiger Stromversorgungssysteme. Für die Energiebranche entwickelt sich der KI-Boom zu einem neuen Wachstumsmarkt. Gefragt sind künftig nicht einzelne Kraftwerkstechnologien, sondern leistungsfähige Stromversorgungssysteme, die Erzeugung, Netze, Speicher und dezentrale Versorgungslösungen schnell und zuverlässig miteinander verbinden.
© IWR, 2026
Newsticker EU-Politik
Brennstoffzelle: Newsticker auf www.energiejobs.de
RENIXX-Quartalssaison: Bloom Energy wächst dank KI-Boom kräftig – EDPR legt zu – Enphase stagniert – Verbund unter Druck
Wachsender Strombedarf von KI-Rechenzentren: Brookfield verfünffacht Finanzierungsrahmen mit Bloom Energy auf 25 Milliarden US-Dollar
Strom für KI-Rechenzentren: Sunrun, Renew Home und Tesla bündeln 16 GW flexible Leistung aus Millionen dezentraler Energieanlagen
Lokale Stromversorgung für KI-Rechenzentren: Fuelcell Energy und Fit Energy planen bis zu 380 MW Brennstoffzellenleistung
Nextpower kauft Batteriespeicher-Spezialist Prevalon Energy: Einstieg in BESS und KI-Rechenzentren – Prognose 2027 angehoben
Global-Data erwartet Versechsfachung der weltweiten Batteriespeicherkapazität bis 2030 – 4-Stunden-Speicher auf dem Vormarsch
USA: Rechenzentren treiben Strombedarf – Siemens und Fuelcell Energy kooperieren bei Brennstoffzellenlösungen
Sunrun erschließt neues Geschäftsfeld: Dezentrale Solaranlagen sollen KI-Rechenleistung bereitstellen
Strom: Nicht nur hohe Gaspreise belasten die Wirtschaftlichkeit von Gaskraftwerken
Premiere: Geothermie-Spezialist Ormat schließt langfristigen Stromliefervertrag für KI-Rechenzentren
Brennstoffzellen-Pionier auf Rekordkurs: Bloom Energy meldet Rekordumsatz und operativen Gewinn – Aktie springt nach Zahlen
Gaskraftwerke: Globaler Gasturbinen-Engpass verschärft sich und wird zum Wachstumstreiber für erneuerbare Energien
Rechenzentren als Wachstumstreiber: Fuelcell Energy steigert Umsatz im ersten Quartal um 61 Prozent - Nettoergebnis bleibt negativ
Alphabet investiert Milliarden in Rechenzentrums- und Cloud-Kapazitäten in den USA: Google-Mutter Alphabet übernimmt Intersect für 4,75 Mrd. US-Dollar
Solarstrom für Google: Total Energies liefert 15 Jahre lang erneuerbare Energie an Googles Rechenzentren in Ohio
Pressemappen - mit Original-Pressemitteilungen



