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Speicherzubau im ersten Halbjahr 2026 in Deutschland auf Rekordkurs

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Münster – Der Ausbau von Batteriespeichern in Deutschland beschleunigt sich weiter. Im ersten Halbjahr 2026 ist der Zubau nach einer aktuellen IWR-Auswertung des Marktstammdatenregisters der Bundesnetzagentur auf ein neues Rekordniveau gestiegen. Gleichzeitig entwickelt sich der Speichermarkt schneller, als die Bundesregierung dies in ihrer aktuellen Energiepolitik abbildet.

Sowohl die neu installierte Leistung als auch die Speicherkapazität legten deutlich zu – mit teils großen Unterschieden zwischen den Bundesländern. Während Investoren verstärkt auf größere Batteriespeicher, Hybridprojekte und längere Speicherzeiten setzen, spielt dieser Baustein beim Aufbau gesicherter Leistung energiepolitisch bislang kaum eine Rolle. Als Ersatz für wegfallende Kohlekraftwerke stehen stattdessen vor allem neue Gaskraftwerke im Mittelpunkt.

Bayern und Sachsen-Anhalt treiben Zubau in den Bundesländern
Von Januar bis Juni 2026 stieg die bundesweit installierte Leistung auf 2.482,7 MW – ein Plus von rund einem Drittel gegenüber dem Vorjahreszeitraum (1.872,5 MW). Die neu installierte Speicherkapazität legte um knapp 76 Prozent auf rund 5.642 MWh zu (Vorjahreszeitraum: 3.206,4 MWh). Die Zahl der neu installierten Anlagen stieg von 279.582 auf 286.060. Bundesweit sind damit inzwischen rund 2,6 Millionen Batteriespeicher mit insgesamt 18.483,5 MW und 31.485,1 MWh am Netz. Hält der Ausbautrend an, könnte die installierte Kapazität nach IWR-Einschätzung bis Ende 2026 auf rund 35.000 MWh (35 GWh) steigen.

Im Bundesländer-Vergleich führt Bayern bei der neu installierten Leistung mit 520,3 MW (Vorjahr: 382,4 MW) vor Nordrhein-Westfalen mit 419,9 MW (385,1 MW) und Niedersachsen mit 386,6 MW, wo sich der Wert gegenüber dem Vorjahreszeitraum (189,1 MW) mehr als verdoppelte. Bei der Speicherkapazität liegt Nordrhein-Westfalen mit 1.179,3 MWh vor Bayern (1.061,3 MWh) und Niedersachsen (848,3 MWh).

Besonders auffällig ist die Entwicklung in Sachsen-Anhalt: Die dort neu installierte Leistung stieg von 34,6 MW im Vorjahreszeitraum auf 277,8 MW, die Kapazität von 63,6 MWh auf 632,6 MWh. Für die kommenden Quartale zeichnet sich dort weiteres Wachstum ab: Mit dem 716-MWh-Speicher in Förderstedt (Eco Stor) sowie dem Anfang Juli 2026 gestarteten Bau eines 1.000-MW-Speichers mit bis zu 5.700 MWh in Klostermansfeld (BW ESS) entstehen im Bundesland derzeit zwei der größten Batteriegroßspeicher Deutschlands. Gegenläufig entwickelte sich der Zubau in Schleswig-Holstein, Brandenburg und Thüringen.

Hybridprojekte und netzdienliche Speicher gewinnen an Bedeutung
Parallel zum Ausbau eigenständiger Großspeicher nimmt die Zahl von Projekten zu, bei denen Wind- und Solarparks direkt mit Batteriespeichern kombiniert werden. Solche Hybridanlagen ermöglichen es, Erzeugungsspitzen zwischenzuspeichern, Netzanschlüsse effizienter auszulasten und Strom gezielt in Zeiten hoher Nachfrage einzuspeisen. Gleichzeitig entstehen zunehmend netzdienliche Batteriespeicher, die Netzengpässe entschärfen, Redispatch-Maßnahmen reduzieren und zusätzliche Flexibilität für das Stromsystem bereitstellen. Die Entwicklung geht mit einem Trend zu längeren Speicherzeiten einher – Batteriespeicher übernehmen damit zunehmend Aufgaben der Lastverschiebung und der Integration erneuerbarer Energien.

Trend zu längerer Speicherdauer setzt sich fort
Die durchschnittliche Speicherdauer neu installierter Anlagen stieg im Halbjahresvergleich von 1,7 auf 2,3 Stunden. Damit rücken neben kurzfristigen Systemdienstleistungen zunehmend Arbitragegeschäfte, Lastverschiebung und die Integration schwankender Wind- und Solareinspeisung in den Vordergrund. Sichtbar wird der Trend an Projekten des schwedischen Unternehmens Flower Infrastructure Technologies: Ein 100-MW-Speicher mit 400 MWh Kapazität in Hamburg-Bergedorf gilt seit Mai 2026 als baureif, die Inbetriebnahme ist aber erst für Ende 2028 geplant. Ein weiteres Vier-Stunden-Projekt mit 63 MW und 257 MWh in Döllnitz (Sachsen-Anhalt) hat Flower übernommen. Haupttreiber sind sinkende System- und Batteriekosten, die längere Speicherlaufzeiten wirtschaftlich attraktiver machen als noch vor wenigen Jahren.

Politik hinkt dem Markttempo hinterher: StromVKG und Netzentgelte bremsen Speicher aus
Wie sehr die Energiepolitik dem Marktwachstum hinterherhinkt, zeigen zwei aktuelle Weichenstellungen: das StromVKG und die Reform der Netzentgeltsystematik (AgNes). Mit dem StromVKG, das Bundestag und Bundesrat am 9./10. Juli 2026 verabschiedet haben, führt die Bundesregierung einen zentralen Kapazitätsmarkt ein: Ab September 2026 werden zunächst 9 Gigawatt an Langzeitkapazitäten ausgeschrieben, die mehrtägige Dunkelflauten überbrücken können – davon profitieren vor allem neue Gaskraftwerke, eigene Runden für Batteriespeicher folgen erst 2027 und 2029. BDEW und VKU begrüßen den Kapazitätsmarkt grundsätzlich, der BNE lehnt ihn ab; der Speicherverband BVES hält den Ausschluss der Batterien zudem für europarechtswidrig und hat deshalb im Juni 2026 EU-Beschwerde eingelegt.

Ähnlich zögerlich verläuft die Reform der Netzentgeltsystematik (AgNes): Die bislang 20-jährige Netzentgeltbefreiung für Speicher (§ 118 Abs. 6 EnWG) stand Anfang 2026 zur Disposition, bevor die Bundesnetzagentur am 27. Mai 2026 einen vorläufigen Zwischenstand mit Bestandsschutz vorlegte – gültig nur, sofern die Investitionsentscheidung vor Inkrafttreten der neuen AgNes-Festlegung fällt und die Anlage bis zum 4. August 2029 in Betrieb geht. Die Festlegung selbst soll nach einer förmlichen Konsultation Ende 2026 beschlossen werden.


© IWR, 2026


17.07.2026

 



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