Strompreisrechner.de

Strom-Anbieterwechsel - Haushalte, Gewerbe, Ökostrom & Gas

 

Fotolia 21835445 1280 256

Stromnetze: Studie zum Blindleistungsmarkt sieht ungenutzte Kostensenkungspotenziale durch schwachen Wettbewerb

© Alterric© Alterric

Aurich – Für die Spannungshaltung im Übertragungsnetz ist Blindleistung von zentraler Bedeutung. Zwar wurde mit § 12h Energiewirtschaftsgesetz bereits 2020 die Grundlage für eine marktliche Beschaffung geschaffen, die praktische Umsetzung weist jedoch weiterhin strukturelle Schwächen auf.

Eine gemeinsame Studie von Alterric und E-Bridge Consulting zeigt Handlungsfelder zur Weiterentwicklung des Marktes für Blindleistung auf. Die Analyse der bisherigen Ausschreibungen zeigt deutliche Defizite im Marktdesign. In mehr als der Hälfte der Verfahren kam es bislang zu keinem Zuschlag. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass der Wettbewerb bislang hinter seinen Möglichkeiten zurückbleibt und vorhandene technische Potenziale nur teilweise genutzt werden.

Die Studienanalyse: Markt steht am Anfang – Wettbewerb und Transparenz als zentrale Hebel
Nach Einschätzung der Studienautoren begrenzen fehlende Standardisierung, heterogene Ausschreibungsdesigns und geringe Planungssicherheit die Teilnahme potenzieller Anbieter. Dadurch wird der Wettbewerb eingeschränkt und vorhandene Flexibilitätsoptionen werden nur teilweise genutzt.

Gleichzeitig erschweren uneinheitliche Preisobergrenzen und eine unvollständige Veröffentlichung zentraler Marktdaten die Vergleichbarkeit zwischen den Ausschreibungen. Dies wirkt sich dämpfend auf Marktliquidität und Kosteneffizienz aus.

„Der Markt für Blindleistung steht noch am Anfang seiner Entwicklung. Erste Ergebnisse sollten daher nicht vorschnell als Maßstab für sein langfristiges Potenzial interpretiert werden“, erklärte Studienleiter Henrik Schwaeppe von E-Bridge Consulting.

Handlungsempfehlungen für mehr Wettbewerb und Kosteneffizienz

Die Studie kommt zu dem Ergebnis, dass die Weiterentwicklung des Marktes insbesondere durch mehr Standardisierung, Transparenz und einheitliche Ausschreibungsregeln beschleunigt werden kann. Kurzfristig werden dabei insbesondere netzbetreiberübergreifende Standardverträge, eine zentrale Veröffentlichung von Ausschreibungen sowie die transparente Angabe voraussichtlicher Abrufmengen als zentrale Hebel genannt. Ergänzend soll eine einheitliche Veröffentlichung der Ausschreibungsergebnisse, etwa im Rahmen eines Monitoringberichts der Bundesnetzagentur, die Markttransparenz verbessern.

Weitere Maßnahmen betreffen längere Ausschreibungszeiträume sowie eine vollständigere Vergütung von Vorhalteleistungen, um Investitionssicherheit und Marktbeteiligung zu erhöhen.

Erneuerbare als Systemakteure im Blindleistungsmarkt
Die Studie zeigt zudem, dass erneuerbare Erzeugungsanlagen zunehmend in der Lage sind, systemrelevante Leistungen bereitzustellen. Windparks können Blindleistung mit vergleichsweise geringem Zusatzaufwand liefern und damit zur Spannungshaltung im Übertragungsnetz beitragen.

Alterric beteiligt sich seit April 2025 mit einem Portfolio aus Windparks und ergänzender Technik an entsprechenden Ausschreibungen. Die dabei gewonnenen Betriebserfahrungen sind in die Studie eingeflossen.

Frank May, CEO von Alterric, sagte: „Wir sehen, dass der Markt grundsätzlich funktioniert, aber sein Potenzial heute bei weitem noch nicht ausschöpft. Wenn wir hier nachschärfen, können wir vorhandene Anlagen besser nutzen und die Kosten im Stromsystem spürbar senken – auch bei den Netzentgelten.“

Fazit zum Blindleistungsmarkt
Der regulatorische Rahmen für die marktgestützte Beschaffung wurde mit § 12h EnWG geschaffen. Der Markt befindet sich jedoch weiterhin in einer frühen Umsetzungsphase. Einheitlichere Marktregeln und mehr Transparenz gelten als zentrale Voraussetzungen, um den Wettbewerb zu stärken und die vorhandenen Kostensenkungspotenziale im Stromsystem – einschließlich der Netzentgelte – besser zu heben.

Die Studie „Volkswirtschaftliche Potenziale marktgestützter Beschaffung von Blindleistung“ wird von Alterric und E-Bridge Consulting veröffentlicht.

© IWR, 2026


12.06.2026

 



Jobs & Karriere - Energiejobs.de
Veranstaltungen - Energiekalender.de

Pressemappen - mit Original-Pressemitteilungen